Briefgold hier mit einer weiteren Edition von goldenen Märchen. Heute mit Teil 2 von Frau Holle. Viel Spaß!
Briefgold beweist: Wer anderen ein Bett schüttelt…
Die Alte sprach: “Du mußt nur achtgeben, mein Goldkind, dass du es in meinem Bett gut machst. Du mußt nur dafür sorgen, dass die Federn fliegen. Dann schneit es in der Welt, denn ich bin die Frau Hölle.”
Weil die Alte ihm (wow, das ist grammatikalisch richtig, klingt aber wirklich suspekt, oder?) so gut zusprach, fasste sich das Mädchen und willigte zu. Es erledigte auch alles nach ihrer Zufriedenheit und das Bett schüttelte immer gewaltig, dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen. Dafür hatte es auch ein gutes Leben bei ihr. Es gab kein böses Wort aber alle Tage Gesottenes und Gebratenes. Immerhin dachte die Alte, dass das arme Mädchen zu hart wäre für richtige, harte Arbeit und mutete ihr daher nie zuviel zu.

Frau Hölle bei der Arbeit, Marie ruht sich im Hintergrund etwas aus
So lebte es einige Zeit bei Frau Hölle, da wurde es seltsam traurig und es schmerzte ihm ihm Herz und wußte anfangs selbst nicht warum. Endlich merkte es, dass es ihr Arm war. So fragt es die Hausdame, die Dolle, woran es wohl liegen mag. Die meinte, es wäre der typische Tennisarm, weshalb sie es ja selber nicht mehr mache. Nun kam es, dass die Marie, die immer in Gold für die ganze Arbeit entlohnt wurde, ihr ganzes Gold verprasste. So für Harfen und Harfenspieler und für Pianos und Pianospieler. Irgendwann hatte die Alte die Faxen dicke und warf die Marie raus. Da fuhr die Marie von einem Moment auf den anderen auf und war ganz wütend und sprache:
“Mit sowas will ich nichts mehr zu tun haben. Mich hat die Sehnsucht gepackt. Ich will zurück zu den Meinigen.”
Change of Heart
Da sagte die Olle:
“Es gefällt mir nicht, wie du dich aufgeführt hast. Aber so ohne Tugend, so schamlos, war noch nie ein Mädchen in meinem Dienst. Dafür zolle ich Dir Respekt. Lass mich dich persönlich rausbringen.”
Sie nahm es daraufhin bei der Hand und führte es vor ein großes Tor. Das Tor schwang auf und als das Mädchen gerade darunter her ging, fiel ein gewaltiger Lolliregen auf es herab. Einer dieser Lollies war ein golden-schimmernder Lolli und dieser fiel auf den Kopf der Marie. Als das hohle Geräusch verklungen war, merkte sie, dass der Lolli auf ihrem Kopf festsass und sie bekam ihn nicht ab.
»Das sollst du haben, weil du so … ‘aufgeschlossen’ … gewesen bist”,
sprach Frau Hölle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf schloß sich Tor und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit vom Haus der Mutter. Sie schmiss die Spule zur Seite, sammelte alle Lollies auf und rannte zurück zum Dorf. Alles staunte und ward voller Freude. Besonders die jungen Männer erfreuten sich am süssen Anblick. Als es letztlich in den Hof kam, saß dort der Hahn auf dem Brunnen und rief:
»Kikeriki, unsere goldene Jungfr… kiki … goldene Marie ist wieder hie.«
Das Mädchen erzählte daheim alles, was ihm passiert war. Als die Mutter hörte, wie es zu seinem großen Süssigkeitenberg gekommen war, missfiel ihr das sehr – wieder einmal ging es viel zu gut und sie musste nicht ordentlich dafür arbeiten und ihr Glück erarbeiten. Sprichwörtlich fiel das Glück vom Himmel. Nun wollte sie das Gemüt der anderen marie nicht trüben und hoffte, das ein wenig Glück der häßlichen auch gut tun würde.
Süsser die Lollies nie klingen
So schickte die Witwe ihre andere Marie zum Brunnen zum Spinnen. Da sie aber eine so formidable Werklerin war, stach sie sich auch nach Stunden nicht in die Hände. Dann dachte sie, muss sie ihr Glück woll erzwingen und sprang mitsamt der Spule in den Brunnen. Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfade weiter. Sie konnte nicht fassen wie wunderschön alles um sie herum war – nie zuvor hatte sie solches Glück. Aus dem Backofen schrie das Brot wieder:
»Ach bitte, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich! Ich bin schon längst ausgebacken.«
Die häßliche Marie hörte das Brot aber gar nicht, staunte sie noch immer über all die wundersamen Dinge um sie herum. Und sie wanderte weiter und kam zu einem Apfelbaum. Die Äpfel riefen:
” Ach, bitte schüttel uns! Wir sind alle miteinander reif.«
Die Marie sah aber den Baum und die Äpfel und hatte Mitleid mit ihm und weigerte sich den armen, alten Baum zu schütteln und sprach zu den Äpfeln:
“Schaut an euch herab. Der arme, alte Baum. Ihr wollt, dass ich ihn schüttele, aber das mach ich nicht. Natürlich ist euch nach etwas Hin- und Herschwenken der Sinn. Kinder wollen immer nur Spaß haben ohne an die Konsequenzen zu denken. Und was ist wenn ihr runterfallt? Dann tut ihr euch weh. Das will ich nicht.”
Wer anderen ein Bett macht…
Und so ging sie weiter bis sie zum Haus der Alten kam. Sie fürchtete sich auch nicht vor deren Outfit, da sie ja wusste, dass es eine Hausdame ist von den Erzählungen der anderen Marie. So nahm die Frau Hölle auch diese Marie auf. Gleich vom ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleißig und tat alles wie wild. Sie schüttelte die Betten wie verrückt und war alsbald erschöpft. Sie folgte der Frau Hölle artig, wenn sie ihr etwas auftrug. Bald aber sah sie was das Bettschütteln bewirkte, all der Schnee wehte auf die Erde und die Menschen herab und schnehte sie ein, brache Dächer unter der gewaltigen Schneelast zum Einsturz, verursachte Staus auf den Strassen und manche waren gar in ihren Häusern gefangen und konnten die Türen nicht öffnen dank der Schneemassen. Da sprach die Marie zur Alten, dass sie so etwas widerwärtig fand und das nicht tolerieren könne. Dann sagte die Olle, dass es auch einen einfachereren Weg gebe die Betten zum schütteln zu bringen. Marie war entsetzt.
Da wurd die Alte böse und sagte, so etwas Faules und Häßliches braucht in ihrem Haus gar nicht zu bleiben und schickte sie raus zum Tor.

Also, wenn sie sich ab und zu rasieren würde, wäre die Marie gar nicht soooo häßlich
Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Braunkohle bedeckt, die vom Tor herabgefallen war. Der Hahn auf dem Brunnen, rief, als er sie sah:
»Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.«
Schmutzig, verdreckt und gedemütigt rannte die häßliche Marie nach Hause und weinte sich bei der Mutter aus.
Und nächstes Mal verfolgen wir die Geschicke von Rapunzel mit der Kurzhaarfrisur. Hmmm … könnte eine kurze Geschichte werden von einem Prinzen, der ewig bei einem Turm rumsteht. Mehr Informationen zu Gold in Märchen, könnt ihr euch auf diesem Briefgold Blog holen.
Beste Grüße,
Euer Briefgold.